Warum ich Aiarty Image Enhancer testen wollte
Kann künstliche Intelligenz unscharfe Fotos tatsächlich verbessern – oder erfindet sie am Ende einfach Details, die vorher gar nicht vorhanden waren?
Genau diese Frage wollte ich in meinem Aiarty Image Enhancer Test beantworten. Dabei interessiert mich weniger, welche 20 Knöpfe und KI-Modelle das Programm besitzt. Für mich als Fotograf ist eine andere Frage viel wichtiger:
Brauche ich Aiarty zusätzlich zu Luminar Neo oder Lightroom – oder bezahle ich damit Funktionen doppelt?
Deshalb habe ich Aiarty nicht mit perfekten Werbebildern getestet, sondern mit meinen eigenen Fotos: einem älteren RAW aus New York, einem Smartphonefoto, einer Landschaft mit tausenden feinen Strukturen und einem Porträt. Zum Schluss musste die KI sogar noch ein KI-generiertes Bild bearbeiten.
Das Ergebnis war teilweise ziemlich beeindruckend – aber gerade bei starken Vergrößerungen zeigt sich auch die größte Schwäche solcher KI-Werkzeuge.
Transparenz: Aiarty Image Enhancer wurde mir für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf meinen Test oder meine Bewertung. Einige Links in diesem Artikel sind Affiliate-Links. Wenn du darüber kaufst, erhalte ich eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.
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Wenn du dich außerdem für die Grundlagen der Bildbearbeitung interessierst, findest du in meinem Guide zur Bildbearbeitung für Anfänger weitere verständliche Tipps. Und falls du mit Luminar Neo arbeitest, ist auch mein Luminar-Neo-Anfänger-Workflow interessant.
Was ist der Aiarty Image Enhancer überhaupt?
Aiarty Image Enhancer ist für mich vor allem eines: kein Ersatz für ein richtiges Bildbearbeitungsprogramm.
Ich würde damit nicht meine komplette RAW-Entwicklung machen, meinen Bildlook gestalten oder umfangreich Farben und Masken bearbeiten. Dafür nutze ich weiterhin beispielsweise Luminar Neo oder Lightroom.
Aiarty kommt für mich an einer anderen Stelle ins Spiel:
Das Bild ist eigentlich fertig – aber technisch könnte noch etwas mehr gehen.
- Ein Bild soll deutlich größer gedruckt werden.
- Ein starker Bildausschnitt ist nötig.
- Ein älteres Foto ist etwas unscharf.
- Ein Smartphonebild soll verbessert werden.
- Ein kleines JPEG soll wieder brauchbarer werden.
- Details sollen für eine größere Ausgabe klarer werden.
Test 1: Kann Aiarty auch mit einem RAW umgehen?
Für meinen ersten Test habe ich ein Bild aus New York von 2016 gewählt. Der große Vorteil: Ich habe davon noch die RAW-Datei.

Das Foto ist grundsätzlich brauchbar, besitzt aber einige Bereiche, die bei genauer Betrachtung etwas weich wirken. Aiarty kann die RAW-Datei direkt öffnen und verarbeiten.
Trotzdem wäre das nicht mein bevorzugter Workflow. Ich würde weiterhin zuerst so arbeiten:
RAW → Luminar oder Lightroom → normale Bildbearbeitung → Aiarty
Was bringt 2-faches Upscaling?
In normaler Bildgröße wirkt der Unterschied zunächst erstaunlich gering. Das ist allerdings keine schlechte Sache. Denn ein Image Enhancer sollte meiner Meinung nach nicht automatisch das komplette Foto verändern, nur damit der Effekt spektakulär aussieht.
Erst beim Hineinzoomen werden die Unterschiede sichtbar. Feine Nadeln, Zweige und Konturen werden klarer und sauberer dargestellt. Gerade für einen größeren Ausdruck oder einen starken Crop kann das interessant werden.
Mein Eindruck
Für ein normales, ordentliches RAW brauche ich Aiarty nicht zwingend. Wenn das Bild aber groß gedruckt oder deutlich beschnitten wurde, bekommt das Tool für mich einen echten Nutzen.
Test 2: Smartphonefoto mit Lack, Logos und feinen Kanten
Mein zweites Bild ist ein klassisches Smartphonefoto. Darauf sind zwei rote Ferraris zu sehen – und genau deshalb eignet es sich hervorragend für einen solchen Test.

- Lack und Spiegelungen
- Felgen und Schriftzüge
- Logos und Scheiben
- unzählige feine Kanten
Also viele Stellen, an denen KI schnell Fehler produzieren könnte. Aiarty hat das Bild mit zweifacher Vergrößerung bearbeitet.
Auch hier passiert in der Gesamtansicht zunächst nichts Dramatisches. Beim Hineinzoomen erkennt man den Unterschied aber deutlich besser. Die Lackflächen werden ruhiger, Logos klarer und einige Strukturen wirken sauberer.
Schärfer bedeutet nicht automatisch besser.
Wenn ein Programm plötzlich Strukturen erzeugt, die gar nicht im Ausgangsmaterial vorhanden waren, sieht das möglicherweise beeindruckend aus – entspricht aber nicht unbedingt mehr dem ursprünglichen Foto. Beim moderaten Upscaling des Ferrari-Bildes blieb Aiarty in meinem Test angenehm zurückhaltend.
Test 3: Die Heidelandschaft wird zum KI-Minenfeld
Das unscheinbarste Bild des Tests war gleichzeitig eines der interessantesten: eine große Heidelandschaft.
Warum ist das schwierig? Weil das Bild aus tausenden kleinen, ähnlichen Strukturen besteht: Heidekraut, Gras, Äste, Baumkronen und feine Landschaftsdetails.
2-fache Vergrößerung
Bei zweifacher Vergrößerung verbessert Aiarty einige Bereiche durchaus sichtbar. Besonders Gebäude und Bäume gewinnen an Struktur. Die Heide selbst wird dagegen teilweise etwas matschiger. Es entstehen also erste Artefakte. Das Bild wirkt trotzdem noch natürlich.
4-fache Vergrößerung: Jetzt wird es interessant

Bei vierfacher Vergrößerung passierte etwas, das den gesamten Test für mich ziemlich gut zusammenfasst. Im Hintergrund befindet sich ein Gebäude. Im Original ist das Dach kaum noch detailliert erkennbar. Nach der Bearbeitung plötzlich schon.
Das klingt zunächst fantastisch. Nur gibt es ein Problem:
Das rekonstruierte Dach entspricht nicht zwangsläufig dem echten Dach.
Die KI nimmt die vorhandenen Informationen und baut daraus etwas, das plausibel aussieht. Das Ergebnis sieht tatsächlich besser aus. Aber es ist nicht mehr zwingend vollständig dokumentarisch korrekt.
Der 8-fache Extremtest
Natürlich wollte ich wissen, was passiert, wenn man es übertreibt. Also: 8-faches Upscaling.
In der Gesamtansicht ist das Resultat überraschend überzeugend. Das Bild wirkt klarer und könnte für bestimmte Druckgrößen sogar angenehmer aussehen.
Beim starken Hineinzoomen wird allerdings deutlich: Die KI beginnt das Bild sichtbar umzubauen. Einige Bereiche wirken plötzlich eher gemalt als fotografiert.
Weniger ist bei KI-Upscaling häufig mehr.
Nur weil ein Programm 8-fach vergrößern kann, bedeutet das nicht, dass man es bei jedem Foto tun sollte.
Test 4: Die gefährlichste Disziplin – Gesichter
Bei Landschaften kann eine erfundene Struktur vielleicht noch unbemerkt bleiben. Bei einem Gesicht sieht das anders aus. Deshalb habe ich für den nächsten Test ein älteres Porträt von mir verwendet.

Aiarty besitzt eine eigene Gesichtswiederherstellung. Dabei kann die KI Gesichtsdetails klarer herausarbeiten oder stärker rekonstruieren.
Das Ergebnis
Bei moderaten Einstellungen hat mir das Ergebnis überraschend gut gefallen. Besonders Augen, Brille, Bart und Zähne wurden klarer dargestellt.
Und das Wichtigste: Ich erkenne mich weiterhin eindeutig wieder.
Für alte Familienfotos finde ich das sehr interessant. Ein Foto, das durch geringe Auflösung oder leichte Unschärfe kaum noch brauchbar ist, kann dadurch möglicherweise wieder deutlich ansehnlicher werden.
Bei 8-facher Vergrößerung kippt das Ergebnis
Auch hier wollte ich wieder wissen, wo die Grenze liegt. Und auch beim Porträt lautet die Antwort: 8-fach ist für mich zu viel.
Die Brille wirkt künstlicher und auch Haare und kleinere Gesichtsdetails beginnen sichtbar verändert zu werden. Bei Familienbildern mag das noch akzeptabel sein. Bei einem dokumentarischen Foto wäre ich dagegen sehr vorsichtig. Ein Passbild würde ich beispielsweise definitiv nicht auf diese Weise „rekonstruieren“.
Bonus: Was passiert, wenn KI eine KI bearbeitet?
Diesen Test musste ich einfach machen. Für das Video habe ich mir ein KI-generiertes Bild erstellen lassen, auf dem ich als Fantasy-Abenteurer unterwegs bin.
Nein – so laufe ich normalerweise nicht durch Mecklenburg-Vorpommern. 😉

Das Ausgangsbild war bereits sehr detailliert. Und genau deshalb war die Frage spannend: Kann Aiarty ein bereits KI-generiertes Bild überhaupt noch verbessern?
Bei moderater Bearbeitung tatsächlich ja. Hautporen werden etwas deutlicher, Materialien klarer und einige Details wirken realistischer.
Aber wieder zeigt der Extremtest die Grenze. Bei 8-facher Vergrößerung entstehen beispielsweise plötzlich metallische Strukturen in den Haaren. Auch eigentlich unscharfe Lichter im Hintergrund werden plötzlich scharf.
Das Ergebnis wirkt spektakulär – aber nicht unbedingt besser.
Mein Test in der Übersicht
| Test | Was ich geprüft habe | Mein Kurzfazit |
|---|---|---|
| RAW-Foto | 2-faches Upscaling | Dezente, natürliche Detailverbesserung |
| Smartphone-Foto | Lack, Logos und feine Kanten | Moderates Upscaling überzeugt |
| Heidelandschaft | 2×-, 4×- und 8×-Vergrößerung | Bis 4× interessant, 8× zu künstlich |
| Porträt | Gesichtswiederherstellung | Moderat gut, 8× zu stark |
| KI-Bild | Bereits generiertes Bild verbessern | Mehr Details, aber Extremstufe erfindet Strukturen |
Mein Fazit zum Aiarty Image Enhancer
Nach meinen Tests sehe ich Aiarty nicht als Ersatz für Luminar Neo oder Lightroom. Und genau deshalb funktioniert das Programm für mich.
Meine normale Bildbearbeitung bleibt:
RAW → Luminar/Lightroom → Bildlook entwickeln
Aiarty würde ich anschließend nur bei ausgewählten Bildern einsetzen:
Luminar/Lightroom → Aiarty → Druck oder Export
Für wen lohnt sich Aiarty?
- Wenn du regelmäßig Smartphonefotos verbessern möchtest.
- Wenn du alte JPEGs oder Familienbilder besitzt.
- Wenn du starke Ausschnitte verwendest.
- Wenn du Bilder groß ausdrucken möchtest.
- Wenn du leicht unscharfe Fotos verbessern möchtest.
- Wenn du kleine Dateien hochskalieren musst.
Gerade bei großen Ausdrucken sehe ich persönlich einen interessanten Anwendungsfall. Meine älteren New-York-Fotos werde ich deshalb tatsächlich noch einmal bearbeiten und einen erneuten Druck ausprobieren.
Wer braucht Aiarty eher nicht?
Wenn du hauptsächlich gute RAW-Dateien bearbeitest, nur leicht entrauschst, etwas nachschärfst und keine großen Vergrößerungen brauchst, reichen die Funktionen von Luminar oder Lightroom vermutlich vollkommen aus.
Dann wäre Aiarty für mich eher zusätzlicher Luxus als notwendiges Werkzeug.
Der wichtigste Punkt: KI macht nicht automatisch Wahrheit
Der für mich wichtigste Lerneffekt des gesamten Tests ist nicht die Schärfe. Es ist diese Unterscheidung:
„Sieht besser aus“ und „ist originalgetreu“ sind nicht dasselbe.
Bei moderater Anwendung kann Aiarty Bilder sichtbar verbessern. Je stärker die KI allerdings rekonstruieren muss, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Details entstehen, die im ursprünglichen Foto so gar nicht vorhanden waren.
Für kreative Bilder kann das vollkommen in Ordnung sein. Bei dokumentarischen Aufnahmen sollte man es im Hinterkopf behalten.
Aiarty selbst ausprobieren
Aiarty bietet eine kostenlose Testversion an. Deshalb würde ich grundsätzlich empfehlen: Nicht sofort kaufen – erstmal mit den eigenen Bildern ausprobieren.
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Den kompletten Praxistest im Video ansehen
Im Video zeige ich dir die Unterschiede direkt am Bild – inklusive 2×-, 4×- und 8×-Vergleich, Gesichtswiederherstellung und dem KI-auf-KI-Experiment.
Wie weit darf KI bei Fotos gehen?
Mich interessiert besonders deine Meinung:
Wo ziehst du bei KI-Bildbearbeitung die Grenze?
Ist es für dich vollkommen in Ordnung, wenn eine KI fehlende Details plausibel rekonstruiert? Oder sollte ein Foto möglichst exakt das zeigen, was ursprünglich aufgenommen wurde?
Schreib es gerne unter das Video oder hier in die Kommentare.
FAQ: Aiarty Image Enhancer
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